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Prunk – Artikel in der AIT

Aus: AIT (Architektur | Innenarchitektur | Technischer Ausbau), Heft 10.2009

Prunk

Verwandlung: Vom Wohngebäude über Bankenbüros zur Wirtschaftskanzlei

Die berühmte Düsseldorfer Flaniermeile “Kö” steht für ein mondänes Lebensgefühl. Wer hier baut oder mietet, gibt sich mit Understatement nicht zufrieden. So auch eine der weltweit führenden Wirtschaftskanzleien, die Linklaters LLP, die hier zwei denkmalgeschützte Wohn- und Siedlungsbauten für ihre Zwecke umgestalten ließ. Das Leipziger Büro Development 9 Architektur. Design. Medien. hat für die Wirtschaftskanzlei eine gelungene Synthese aus aufpoliertem Prunk und moderner Zurückhaltung geschaffen.

Kaum zu glauben, dass es sich bei diesen beiden Gebäuden ursprünglich um Wohnhäuser handelte: Elodie Puricelli, ihres Zeichens Kunstsammlerin und Eigentümerin des Hauses Königsallee 49 in Düsseldorf, und Christian Schaurte, Schraubenfabrikant aus Neuss und Besitzer des Hauses mit der Nummer 51 kleckerten ganz offensichtlich nicht, sie klotzten: 1906 baute der Münchener Architekt Gabriel von Seidl ein großzügiges Gebäude im Neurenaissance-Stil für Elodie Puricelli. Im gleichen Jahr entstand das neubarocke, repräsentative Wohnhaus für den Schraubenfabrikanten Schaurte, entworfen von Otto Engler. Heute befinden sich auf der Gesamtfläche der beiden Gebäude von etwa 4100 Quadratmetern die Düsseldorfer Büros einer der größten Wirtschaftskanzleien der Welt, der Linklaters LLP. Sie betreut Unternehmen und Finanzinstitutionen in Wirtschafts- und Steuerrechtsfragen. Schon zuvor jahrelang als Büros genutzt, waren die Gebäude 1975 in den Besitz der Deutschen Bank gelangt – mit der Absicht, durch einen Totalabriss Platz für einen modernen Zweckbau zu schaffen. Es kam anders! Die historisierenden Werksteinfassaden und die prachtvolle Innenausstattung waren Grund genug, sie in das “Denkmalverzeichnis Düsseldorf Innenstadt aufzunehmen. Die Deutsche Bank entschied sich deswegen schließlich für die kostspielige Restaurierung der Häuser. Für Büro- und Betriebseinrichtungen entstand 1980 zusätzlich ein mit dem Bestand direkt verbundener Neubau gegenüber den rückwärtigen Fassaden. Im Zuge dieser Neubaumaßnahmen wurden auch die Ursprungsgebäude restauriert und neu ausgestattet.

Synthese zwischen Alt und Neu

Eric Sayah, Geschäftsführer des Leipziger Büros Development 9 – Architektur. Design. Medien. Und mit der Neugestaltung der Räume von Linklaters beauftragt, beschreibt den Zustand, in dem er die Gebäude vorfand, wie folgt: “Als unser Bauherr Ende 2007 in die zwischenzeitlich von der Deutschen Bank zwar verkauften, aber noch angemieteten Häuser- zunächst als Untermieter – einzog, fand er den unverfälschten Geist der Sanierung von 1980 vor – eine manieristisch anmutende Mischung aus teilweise aufwendigst restaurierten und mittlerweile wieder in die Jahre gekommenen Decken, Wänden und Böden und einer Möblierung, Ausstattung und Beleuchtung ganz im Zeitgeschmack der späten 70-er Jahre. Die Identifikation mit dem zwar noblen, jedoch düster und antiquiert anmutenden Ambiente fiel schwer. Technisch gesehen waren die Gebäude völlig veraltet und für eine Büronutzung nach zeitgemäßen Anforderungen denkbar ungeeignet.” Die gesamte Technik des Hauses musste neuesten Standards angepasst werden und ein bedarfsgerechtes, flächeneffizientes Raumprogramm sollte entstehen. Ästhetisches Ziel war eine Synthese zwischen altem Bestand und moderneren Elementen. Auch die Corporate Identity von Linklaters sollte lesbar werden. Erschwerend fand die Erfüllung all dieser Vorgaben bei laufendem Kanzleibetrieb statt. Die fünf Etagen wurden schließlich mit folgenden Funktionen versehen: Aufgrund der repräsentativen Substanz und Wirkung boten sich Erdgeschoss und erstes Obergeschoss als Mandanten- und Konferenzbereiche an. In der zweiten, dritten und vierten Etage brachten Development 9 Arbeitsplätze für Anwälte und Sekretariate unter, organisiert in Einzel- bis Viererbüros. Unter dem Dach im fünften Geschoss wurde die Bibliothek mit fünf Lese- und zwei Arbeitsplätzen vorgesehen. Den größten Aufwand erforderte dabei die Gestaltung der unteren Geschosse. Architekt Eric Sayah führt aus: “Da allen Räumen Proportionen, Decken- und Wandschmuck völlig unterschiedlicher Ausprägung zugrunde lag, reagierten wir auf jeden Raum mit individueller Möblierung, Beleuchtung und Dekoration, die ihre Zugehörigkeit zu wieder erkennbaren und einprägsamen Produktfamilien trotzdem zeigen sollte. Eine besondere Herausforderung lag in der Entwicklung von Lösungen, um die technischen Installationen möglichst unsichtbar zu machen und die denkmalgeschützte Substanz unbehelligt zu lassen. Unter anderem erforderte die komplexe Einführung der Medientechnik von den Fußböden in die Tischplatten komplette Eigenentwürfe der Konferenztischanlagen mit vollverblendeten, konisch nach unten verjüngten Fußgestellen.” Lediglich ein Raum in diesem Bereich verfügte nicht mehr über das ursprüngliche Schmuckwerk und wurde zu einem Videokonferenzraum mit Kinosaalatmosphäre umgestaltet.

Gute Ausleuchtung trotz enormer Raumtiefe

Den ehemaligen Lichthof des Gebäudes führten die Architekten einer besonderen Funktion zu: Er wurde zum lichtdurchfluteten Atrium mit Mandantenlounge. An seinen Wänden wurden die zentralen Firmenwerte von Linklaters als Schriftzüge aufgebracht. In den oberen, weniger repräsentativen Geschossen arbeiteten Development 9 zurückhaltender. Die großzügigen Flure wurden außerdem pragmatisch ausgestattet: Hier befinden sich über die Bürotüren laufende, überleuchtete Aktenschrankanlagen. Ein ehemaliger Wintergarten, der ebenfalls im Zuge der Neubaumaßnahmen 1980 in der vierten Etage entstanden war, wird heute für fünf weitere Büros genutzt. Verbindendes Element aller Bereiche ist der Umgang der Architekten mit der Beleuchtung. Ursprünglich düster und schwer wirkten die Räume dank der Auswahl vornehmlich einer denkmalerprobten Leuchtenserie nun in ihrer gesamten Proportion. Die besondere Herausforderung bestand darin, die enormen Raumtiefen trotz der relativ kleinen Fenster adäquat auszuleuchten, ohne dabei mit der Lichtgestaltung in Konkurrenz zu den Raumdetails zu treten. Als Folgeauftrag überarbeiteten Development 9 ab Herbst 2008 auch den 2000 Quadratmeter umfassenden Neubau aus den 80er-Jahren. Die ursprünglich als Großraumbüros angelegten Räume wurden in Mittelzonen mit Aufenthaltsbereichen, Teeküchen, offenen Archivflächen und zwei zusätzlichen Bibliotheken umgewandelt, ergänzt durch eine Kombibürostruktur. In diesem besonderen Fall belief sich die Leistung von Development 9 auf die Grundlagenermittlung, Vor- und Entwurfsplanung sowie die künstlerische Oberleitung.

Susanne Dubbert, AIT

It is hard to believe that these two houses were originally residential buildings: Elodie Puricelli, arts collector and owner of Königsallee 49 in Düsseldorf and Christian Schaurte, screw manufacturer from Neuss and owner of house No. 51 did not take half-measures: In 1906, Gabriel von Seidl built a generous building in neo-renaissance style for Elodie Puricelli. In the same year, the neo-baroque, prestigious residence for Schaurte was realised by Otto Engler. Today the offices accommodate the offices of Linklaters LLP on 4100 square meters. In 1975, Deutsche Bank acquired the buildings – with the intention to demolish the houses and make room for a modern functional building. Things turned out differently! The buildings were included in the “index of protected buildings Düsseldorf city centre.” Deutsche Bank therefore opted for a refurbishment. In 1980 an annex was constructed for office and business equipment. Eric Sayah, managing director of the Leipzig-based office Development 9 – Architektur. Design. Medien., who was commissioned with the redesign of the premises, describes the condition he found the buildings in as follows: “When our client initially moved into the houses as subtenant of Deutsche Bank in late 2007, he found the genuine spirit of the refurbishment from 1980 – a mannerist mixture from partially elaborately restored and meanwhile ageing ceilings, walls and floors as well as furnishing, equipment and illumination in the taste of the late 1970s. The identification with the indeed ritzy but gloomy and antiquated ambience was difficult. In technical terms, the building was completely outdated und unsuitable for office use according to contemporary requirements.” The entire building services had to be adapted to latest standards and a demand-actuated room programme should be realised. The objective was a synthesis between existing building and modern elements. Due to the prestigious substance and effect, the ground and first floor lent themselves as client and conference areas. On the second, third and fourth level, Development 9 accommodated solicitors’ workspaces and secretaries’ offices, laid out as single to four-person offices. A library with five study desks and two workspaces was realised under the roof on the fifth floor. The design of the lower floors required most efforts. Architect Eric Sayah explains: “As all rooms were based on different proportions, ceiling and wall decoration, we reacted to every room with individual furnishing, lighting solutions and decoration, which nevertheless show their belonging to recognisable and memorable product families. A special challenge presented the development of solutions to conceal technical installations and limit interventions to the listed substance. Among other things the complex introduction of media technology from the floors into the tabletops required a custom-design for the tables with faced, conical table stands.” The former atrium was turned into a light-flooded clients’ lounge. Signs depicting the central corporate values of Linklaters are applied to its walls. On the upper floors Development 9 designed with more subtlety. The corridor equipment is pragmatic; filing cabinets lit from above are positioned here.

Entwurf
Development 9 Architektur. Design. Medien.
Holbeinstraße 29, 04229 Leipzig
T +49-341-3067707, F +49-341-4206037
www.development-9.de

Projektteam
Eric Sayah, Anna Hellmuth, Mario Naundorf

Leistungen
Innenarchitektur, Architektur HOAI LPH 1-5
Künstlerische Oberleitung
Lichtplanung
Möblierungsplanung
Möbeldesign für Konferenztische u. Bibliothek

Bauherr
Linklaters LLP

Standort
Königsallee 49-51
40212 Düsseldorf

Fotos
Linus Lintner Fotografie
Bredowstr. 10
10551 Berlin
T +49-30-2641571
M +49-171-9324569
www.linus-lintner.de

Kubikmeter umbauter Raum Quadratmeter
ca. 26.000 m³

Quadratmeter
ca. 4.100 qm

Projektsteuerung, Bauleitung
PM Eikermann, Dipl.-Ing. Hartmut Eikermann, Krefeld

Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Elektro
DTF Ingenieure, Velbert

Statik
Gehlen Ingenieure, Düsseldorf

Brandschutz
Lorsbach + Hammer, Solingen

Wandgestaltung Atrium
l2m3, Stuttgart

Bodenbeläge
Denkmalgerechte Aufarbeitung / Ergänzung der vorhandenen Marmor- und Parkettböden
Teppiche Oliver Treutlein, Vorwerk, Object Carpet

Wandbeschichtungen
Cole & Son, Arte, Farrow & Ball.

Deckensysteme
Denkmalgerechte Aufarbeitung der vorhandenen Holzkassetten- und Stuckdecken
Bibliothek, Büroetagen: Knauf Plattendecken.
Videokonferenzraum: Knauf Cleaneo Akustikdecke

Beleuchtung
Licht im Raum, Cini & Nils, Luceplan, Targetti, Wila

Möblierung
Walter Knoll, Development 9, Schumann Möbelwerkstätten

Textilien
Dedar, Création Baumann.

Beschläge
Denkmalgerechte Aufarbeitung der Originalbeschläge
Sonst FSB

Sanitärkeramik
Duravit

Armaturen
Cisal